Über die Zeit und alte Wunden

12.05.2019

Wir tragen wohl Alle alte Wunden in uns. Narben, die von Verletzungen und Kränkungen stammen. Oder enttäuschten Erwartungen. Oft liegt das alles weit zurück. Aber es scheint nie vorbei zu sein. Ein Phantomschmerz - der aus dem scheinbaren Nichts zuschlagen kann.

 

„Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es. Aber ist es wirklich die Zeit, die das vermag?

Sind es nicht vielmehr wir selbst, die diese Wunden heilen können und die Narben pflegen?

 

Indem wir hinsehen, sie uns in Ruhe anschauen. Uns für sie Zeit nehmen. Sie liebevoll streicheln. Sie annehmen, wie sie sind. Uns selbst trotz dieser Narben in die Arme schließen.

 

Denn wenn wir uns einreden wollen, dass doch alles schon so lange her ist und vergangen, verleugnen wir nicht nur, was geschehen ist, sondern auch, was da immer noch ist. Dann zwingen wir uns selbst, wegzusehen. Zu ignorieren, anstatt zu akzeptieren. Wir verdrängen, anstatt anzunehmen.

 

Ganz nach dem Motto: Soll das doch die Zeit erledigen.

Und so schieben wir alle Verantwortung, die wir für uns selbst tragen, fort.

 

So lange wir diese Narben nicht sehen wollen, sucht uns dieser alte Schmerz wieder und wieder heim. Heimtückisch sogar, denn er lässt uns glauben, dass im Jetzt eine ähnliche Gefahr droht, ein ähnlicher Schmerz nur darauf wartet, uns erbarmungslos zu treffen.

 

Es ist nicht leicht, zu unterscheiden, was Analysen unseres Verstandes und was tatsächlich negative Schwingungen sind. Es ist nicht leicht, zu unterscheiden, wann uns unsere Intuition ein Zeichen gibt und wann es nur die Angst vor einer möglichen Verletzung ist, die der, die wir kennen, irgendwie zu ähneln scheint.

 

Diese innere Unruhe kennen wir wohl alle. Dieses Gefühl, im Innen ganz aufgewühlt zu sein.

 

Wenn dies geschieht, gebe all dem Raum. Gebe dir Zeit. Ziehe dich zurück und trau dich, genau hinzuschauen. Hinzuspüren. In das, was gerade jetzt ist, hinein zu fühlen. Versuche, dich zu entspannen, so unangenehm diese Unruhe in dir auch sein mag.

 

Dann glätten sich die Wogen langsam wieder. Du sortierst dich neu. Sodass du bis auf den Grund sehen kannst.

 

 

 

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