Never change a running system ?!

02.06.2019

Man soll niemals ein System ändern, das funktioniert.

Doch diese beliebte Binsenweisheit aus dem IT-Bereich wird oft missverstanden oder vielmehr fehlinterpretiert.

Vielleicht sogar gewollt. Mit voller Absicht.

Und übertragen auf uns selbst, von Psychologen, Beratern, Therapeuten und knallharten Geschäftsleuten.

Ursprünglich lauteten die Worte „Never change a winning team“ und das sagte vor vielen Jahren ein Fußballtrainer.

 

Dies mag ja noch nachvollziehbar sein:

Ein erfolgreiches Team nicht in seiner Struktur zu verändern.

Denn vermutlich sind die Teammitglieder gut aufeinander eingespielt, haben ihre Rollen und Aufgaben verteilt,

ergänzen sich mit ihren individuellen Stärken gegenseitig und sind zusammen im Flow.

 

Aber selbst ein erfolgreiches Team wird nicht immer nur auf Erfolgskurs sein,

denn nichts ist von Dauer und nur der Wandel ist gewiss.

Und was ist eigentlich Erfolg?

Und Wandel ist Veränderung und diese kann stets Entwicklung sein.

Ein Heranreifen. Wachstum.

Ohne zwingend ein materielles Mehr erreichen zu wollen.

 

Wir halten Systeme aufrecht, die zwar noch laufen, aber nicht „rund“.

Die lahmen, hinken, stottern und sich in ihrer eigenen Struktur selbst blockieren.

Die dadurch mehr und mehr ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verlieren.

Auf Sackgassen zusteuern. Und obwohl so offensichtlich das Ende naht, wenn sich nichts ändert, gaukeln wir uns vor

und reden uns ein, dass es halt nicht so einfach ist.

Und plötzlich braucht es Zeit, die doch sonst stets Mangelware ist auf jedem dieser so genannten Erfolgskurse.

 

Wir halten an Strukturen fest, obwohl es so deutlich und klar ist, dass sie angepasst werden müssen.

Überarbeitet. Überdacht. Weiterentwickelt.

 

Wir halten fest. Erstarren. Verhärten gemeinsam im System.

Nicht nur aus Angst vor Veränderung und weil wir um unseren gewohnten Ablauf fürchten.

Der vertraut ist und damit Sicherheit suggeriert.

 

Unsere Welt lebt „Never stop a running system“.

Veränderung nicht in Sicht. Wozu auch?

Wenn doch genau die, die umfassende Veränderung einläuten könnten, eine goldene Nase daran verdienen,

alles beim Alten zu belassen. Koste es, was es wolle.

Und jeder ist sich selbst der Nächste.

 

So viel Energie, um den Schein aufrecht zu erhalten.

So wenig Skrupel und noch weniger Sein.

 

Auch wenn der ursprüngliche Sinn und Zweck schon lange auf der Strecke geblieben ist:

Das Gemeinwohl. Die Fürsorge. Verantwortung.

Und damit eingeschlossen Nächstenliebe, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit.

 

Da wird dann lieber hier und da ein notdürftiges Pflaster aufgeklebt,

hin und wieder auch ein schwarzer Peter im Außen kreiiert,

da wird vertröstet, beschwichtigt, appelliert und sich auf Prüfziffern, Messgrößen und Kennzahlen berufen.

 

Denn so einfach sei das einfach nicht. Nein, so einfach ist das nicht.

 

Womöglich ist ja der größte Trugschluss unserer so unnatürlich und ins Künstliche verzerrten Welt,

dass sich die wirklich wichtigen Dinge eben nicht in Zahlen und noch weniger in Profit messen lassen.

 

Und auch das berühmte „Kürzer-treten“ ist nichts als reine Illusion.

Denn so lange wir der Überzeugung sind, weiter treten zu müssen, um die Mühlen, am Laufen zu halten,

zermahlen wir uns gegenseitig und uns selbst gleich mit.

 

Bitte lasst uns „running systems“ ändern!

Voller Mut und Vertrauen.

 

Denn nur weil etwas irgendwie weiterläuft ist das kein Indiz dafür, dass es richtig ist.

Oder sinnvoll.

 

So vieles läuft. Noch. Aber wie lange noch?

 

Schneller ist nicht besser, höher führt nicht weiter,

billiger macht nicht reicher- und mehr nicht automatisch glücklich.

 

 

 

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