Über das Sich-selbst-belügen

19.08.2019

Manchmal spricht jemand aus, was schon lange nötig ist. Was wir vielleicht selbst auch schon oft gedacht haben. Oder zumindest gespürt haben. Geahnt haben. Dass da etwas schief läuft. Nicht stimmen kann. Nicht gut und auch nicht richtig sein kann. So nicht weitergehen darf.

 

Wir sehen zwar, wir hören auch. Und spüren. Aber sind genau damit überfordert. Fühlen uns insgeheim wie gelähmt, weil wir nicht wissen, was wir tun können - damit sich etwas ändert.

 

So einfach ist das nicht, sagen wir uns. Reden es uns gar ein. Sind wir es schließlich doch auch gewohnt, dass Erfolg nur durch Anstrengung erreichbar ist. Je mehr Mühe und Härte, umso besser. Zumindest glauben wir das. Oft ganz insgeheim und unbewusst.

 

Wie sollen wir als kleines Menschlein, als Staubkorn des Universums, als Tropfen im Ozean der Welt denn etwas ändern? Was können wir denn schon tun, fragen wir uns.

 

Wie sollen wir den Kurs ändern, bei dem mächtige Konzerne das Ruder fest in der Hand halten? Sind wir doch so klein und das Problem so groß. Zu groß.

 

Und außerdem haben wir unsere eigenen Probleme. Die ganz persönlichen. Und da sich jeder selbst der Nächste sein sollte, so haben wir es oft genug gehört, sind die doch wichtiger. Oder etwa nicht?

 

Oder ist das nur eine Illusion?

Ein Zögern, ein Zweifeln, ein Hadern, ein Verzweifeln, dass uns unser Verstand einredet?

 

Ist es nicht eher so: Wir schüren die Angst, zu klein zu sein, etwas verändern zu können, in uns selbst. Und inmitten all der eigenen Sorgen und Ängste treffen die entsprechenden Stimmungsmacher dann auf einen fruchtbaren Nährboden voller Selbst-Zweifel. Und wir bauschen unsere Angst auf, gedüngt mit fadenscheiniger Kritik von außen, die doch in Wahrheit einfach nur raffinierte Strategie ist, dass alles beim Alten bleibt und die Gewinne weiter maximiert werden können. Um jeden Preis. Auch den, dich täglich weiter selbst zu belügen. Denn solange du gelähmt bleibst, spielst du mit. Und alles geht wirklich weiter wie bisher. Auch wenn du in dir spürst, dass das so nicht gut ausgehen wird und auch nicht kann.

 

Und dann kommt da jemand und macht es uns vor. Indem diese Person es einfach tut. Den ersten Schritt macht und den Mund auf. Ausspricht. Einfach anfängt. Handelt. Und dadurch Bewegung in diese Lähmung aus Überforderung bringt.

 

Und wir werden durchgeschüttelt. Hoffentlich wachgerüttelt. Aber wir interpretieren die Bewegung, die da entsteht in unserer Angst als Störfaktor und kreieren in Folge dessen einen Sündenbock. Ist dieses Wachrütteln so schmerzhaft, so beängstigend, dass wir das Notwendige kleinmachen müssen, um jeden Preis?

 

Jenseits von Fairplay, Respekt und Achtung füreinander. Wir verhalten uns würdelos und manche geradezu hämisch und fies, wenn dann mal wieder ein neuer möglicher Kritikpunkt entdeckt worden ist, um sich selbst davon abzulenken, worum es wirklich und wahrhaftig geht.

 

Aktuell geschieht das mit Greta. Und auch mit all jenen, die als Flüchtlinge bezeichnet werden.

 

Aber bleiben wir bei Greta.

Anstatt zuzuhören und in uns hinein zu spüren bleiben wir im Außen und suchen immer wieder neue Gründe und Argumente, diese mutige junge Frau abzuwerten, anstatt ihre Botschaft wahrzunehmen und uns ebenfalls in Bewegung zu setzen. Denn Veränderung kann nur durch Bewegung entstehen.

 

Anstatt dankbar aufzuatmen, dass da jemand mutig genug ist, den ersten Schritt zu tun und diesen zudem für uns alle, fangen wir an, diesen Menschen zu deformieren, zu stigmatisieren, zu kritisieren, ihn sogar zu mobben. In der Psychologie kennt man das als einen weit verbreiteten Effekt, der aus Überforderung entsteht.

 

Also halte inne. Öffne Augen und Ohren. Schau genau hin. Höre zu. So schmerzhaft das auch sein mag und du dir vielleicht auch selbstkritisch an die eigene Nase fassen musst.

 

Lasse dich erschüttern. Lasse diese Unruhe, die da entsteht, wirken - und wirke mit. Komme in Bewegung.

Denn sie ist die Chance, um zu wachsen.

Etwas besser zu machen. Zum Wohle aller und allem. Denn du bist ein Teil dessen. Du bist ein Tropfen im Ozean der Welt. Du kannst dich nicht isolieren, so sehr du dich auch bemühst. Du kannst nicht erstarren, nicht versteinern, denn das ist wider deine Natur.

 

Du zweifelst immer noch? Fragst dich, was DU bewirken kannst?

 

Ein weises Sprichwort lautet:

Wenn viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun, können sie die Welt verändern.

 

Ja, aus vielen kleinen Tropfen entsteht ein Fluss.

 

 

 

Please reload