Linus

15.10.2019

Unser Leben in diesem Körper beginnt mit einem Einatmen und

es endet mit einem Ausatmen. Geburt und Tod.

Die Augen öffnen und am Ende wieder schließen.

Obwohl letzteres überhaupt nicht stimmt,

denn wir schließen unsere Augen nicht, wenn wir gehen.

Es ist der Ausatem, mit dem wir uns wandeln.

Unsere Form verändern.

 

Alles, was greifbar ist, ist endlich. Der Körper nur eine Hülle auf Zeit.

Ein vorübergehendes Zuhause für unsere Seele. Für das, was wir wahrhaft sind.

Wirklich zu Hause ist sie an einem anderen Ort.

Sie ist auf einer Reise, so lange wir hier auf Erden wandeln

- neugierig zu erfahren, zu entdecken, zu lernen, zu staunen

und mit allen Sinnen, die unser Körper bietet, zu empfinden.

 

Alles kommt und geht und doch verschwindet nichts.

Vielleicht aus den Augen und aus den Sinnen, aber immer noch ist alles da.

Es ist ein Trugschluss, zu glauben - oder gar zu fürchten - dass das,

was nicht sichtbar für unsere Augen ist, nicht (mehr) existiert.

 

Es ist alles da, immer, für immer, nur in anderer, sich wandelnder Form.

Und wenn wir dies wahrhaft be-greifen, indem wir den Mut haben, unser Herz zu weiten

und es fühlen zu lassen, wird klar, dass es ein Unendlich, ein Für-immer und ein Ewig gibt.

 

Das Plötzlich-nicht-mehr-greifen-können schmerzt schwer und fühlt sich auch genauso an.

Vielleicht macht uns unser analytischer Verstand, der darauf konditioniert ist,

zu zweifeln,hier mit das Leben schwer. Ja, Trauer ist schwer.

Und ein Schock. Sie macht schwer. Lähmt. Blockiert.

Doch auch das ist kein Zustand von Dauer, wenn wir loslassen.

 

All die Zweifel, die uns in VerZWEIFELung stürzen.

Stattdessen der Trauer Raum geben, die trotz Schmerz auch Weite im Herzen schafft.

 

Uns entspannen und damit gestatten, über den Tellerrand zu spüren.

Denn das reine Schauen mit den Augen reicht hier nicht aus.

Das Be-greifen schenkt Trost. Und viel mehr als das.


So viele Gesichter, Farben und Facetten und doch ist sie immer da.

Bist du immer da. Sind wir immer da. Energie.

Dieses Pulsieren. Schwingen. Vibrieren.

Und die Liebe ihre schönste, vollkommenste und reinste Form.

 

Dein Körper ruht in Frieden. Meiner eines Tages auch.

Und obwohl mein Herz weint, weil dich meine Hände nicht mehr berühren können,

weil sich unsere Seelen in unseren tiefen Blicken nicht mehr treffen, bin ich durchströmt von Liebe

und tiefer Dankbarkeit für jeden Moment mit Dir.


Du bist zu Hause. Dort - und auch hier. Umgibst mich, erfüllst mich.

Ich fühle mich dir nah. Jetzt auf eine andere, noch tiefere Weise.

 

Was ist Zeit? Was ist Raum? Was ist Hier? Was ist Dort?

 

Mache dir keine Sorgen um mich. Ich bin noch traurig.

Und doch auch nicht. Denn du bist zu Hause. Und ich liebe.

Und eines Tages werden wir uns genau dort wiedersehen... oder vielmehr spüren...

noch vertrauter, noch mehr verbunden, denn dann sind wir ganz eins, ohne jeden Zweifel.

 

------------------------------------------------------

Linus war ein ganz besonderer Kater.

Eine weise Katze. Ein Heiler. Ein Seher. Ein Seelentröster.

Mein Vertrauter. Und eine große Liebe.

 

Und wenn du dich dabei ertappst, wie du nun urteilst,

dass doch der Verlust eines Tieres etwas anderes ist als der Tod eines Menschen,

frage dich, woher diese Überzeugung, diese Haltung kommt.

 

Sind wir nicht alle L(i)ebewesen - nur in unterschiedlicher Gestalt?

 

 

 

 

Please reload